... "Laufenlassen"

Dieses Jahr war ein arbeits- und ereignisreiches Jahr, deshalb melde ich mich nach einer laaangen Pause jetzt erst wieder zu Wort, mal wieder mit einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt:

 

Eine Unsitte, die sich gerade einzubürgern scheint, ist es, Pferde auf dem Reitplatz frei laufen zu lassen, um ihnen Bewegung zu verschaffen. Nun rennen die meisten Pferd von sich aus vielleicht mal zwei bis drei Runden und stellen sich dann in eine Ecke. Aus diesem Grunde werden sie dann mit einer Longierpeitsche, einer Tüte an der Peitsche oder einen Regenschirm herumgescheucht, bis sie schwitzen.

 

Pferde brauchen Bewegung, das ist klar, allerdings gibt es da erhebliche Qualitätsunterschiede, die scheinbar nicht so ganz offensichtlich sind.

 

Aus meiner Sicht gibt es einige starke Argumente gegen das Herumscheuchen, nicht viele dafür, aber viele gute Alternativen:

 

Gegen diese Art, dem Pferd Bewegung zu verschaffen spricht:

  1. Das Fluchttier Pferd wird künstlich in den Fluchtmodus versetzt, das bedeutet unnötigen Streß für das Pferd.
  2. Die Fluchtgangart Galopp schadet dem Pferd nicht, solange es geradeaus rennen kann. Ein Reitplatz hat aber bekanntlich mehrere Ecken, die das Pferd in vollem Tempo in Schieflage und Außenstellung nimmt, also genau in der Haltung, die wir beim Longieren und Reiten zu vermeiden suchen, weil sie schädlich für Sehnen und Gelenke ist.
  3. Das Pferd lernt, vor der Peitsche davonzurennen, was sie als Hilfsmittel für sinnvolle Arbeit untauglich macht.
  4. Das Pferd lernt, vor Tüten und Regenschirmen davonzurennen, was für ein Gelände- und Freizeitpferd äußerst unpraktisch ist.
  5. Die gute, vertrauensvolle Beziehung zum Pferd wird untergraben, wenn nicht sogar zerstört, denn unsere in der Regel zahmen Pferde lernen von Anfang an, sich dem Menschen anzuschließen. "Rumscheuchen" ist ein Hardcore-Join-up ohne Happy End, denn bei einem korrekten Join-up wird das Pferd eingeladen, sich anzuschließen, sobald es dazu bereit ist. Beim "Rumscheuchen" wird es weitergescheucht, auch wenn es signalisiert, dass es genug hat. Und hinterher wundert Mensch sich, wenn das Pferd nicht kommt, wenn man es ruft!
  6. Der Reitplatz ist durch freilaufende Pferde und peitschenknallende Menschen blockiert.
  7. Der Boden sieht hinterher aus, als wäre eine Rotte Wildschweine über den Reitplatz gezogen.

 

Dafür spricht nur, dass der Mensch relativ untätig (außer Peitschen- oder Schirmwedeln) in der Mitte stehen kann, ohne sich Gedanken über adäquates Training machen zu müssen.

 

Sinnvolle Alternativen sind beispielsweise:

  1. Gymnastizierende Bodenarbeit an der Hand oder an der Longe, gerne auch durch oder über Hindernisse,
  2. Langzügelarbeit,
  3. Dualaktivierung an der Longe oder
  4. Longewalking,
  5. Clickertraining,
  6. Spazierengehen,
  7. Gelassenheitstraining,
  8. Zirkuslektionen oder Tricks
  9. oder auch Freiarbeit mit dem Pferd, hierbei liegt die Betonung aber auf MIT DEM PFERD!

Natürlich müsste Mensch sich dazu Gedanken machen, eventuell einen Parcour aufbauen (mit 4 Pylonen kann man schon einiges anstellen!) und sich selbst auch bewegen...

 

Wem Tips oder Ideen für abwechslungsreiches, pferdefreundliches Training fehlen, darf sich gerne an mich wenden!

Fragen und Terminvereinbarung bitte telefonisch unter 0177 268 53 41 oder per Email an post@training-fuer-pferde.de